Über uns

 „Lobpreis, Worship, Anbetung“ wirken wie Modebegriffe der kirchlichen Popmusik. Und zugleich sind es große und sehr ehrwürdige Worte, die viele Fragen mit sich bringen: Ist Anbetung eine Lebenshaltung? Ist „Worship“ ein Musikstil? Ist Anbetung die Begegnung mit dem lebendigen Gott? Ist Worship die „cash-cow“ christlicher Verlage? – Und „Lobpreis“, was ist das? Ein kleines Zeitfenster im Gottesdienst? Braucht man da immer einen Beamer? Ist das, was der Posaunenchor macht, kein „Lobpreis”? Dass wir mit diesen Begriffen durchaus Unterschiedliches assoziieren und manche Missverständnisse dann auch zu unnötigen Abgrenzungen führen können, merken wir in Begegnungen und Diskussionen. Wie übernehmen wir, unabhängig von unserer persönlichen Vorliebe und Prägung, Verantwortung für die, die zu unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen kommen? Welche Entwicklungen fördern wir, welche sollten wir kritisch begleiten? Geht es nach jahrhundertelanger „Choral-/Kirchenmusik“-Monokultur jetzt etwa direkt in die nächste Monokultur „Lobpreis und Anbetung“? Ist das DIE ZUKUNFTSMUSIK ? 

Mit dieser Broschüre geben wir vielen Ansichten zu diesen Fragen Raum. Uns war wichtig, dass dieses Thema von verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. So ist eine Sammlung von sehr unterschiedlichen Texten entstanden mit dem Wunsch und Ziel, eine echte Hilfe für die Praxis zu bieten. Denn, so denken wir: Es geht nicht nur um einen Musikstil, nicht nur um die Frage, welche Lieder wir singen. Es geht darum, wie wir einen zentralen Aspekt unseres Glaubens mit Leben füllen.

Vier Personen mit vier verschiedenen Perspektiven sind für diese Broschüre verantwortlich:

Ilse-Dore Seidel-Humburger

EJW-Landesreferentin, Lobpreisleiterin und Musikteamcoach

Meine Perspektive: Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre im Bereich „Lobpreis und Anbetung“ habe ich mit Freude, Interesse und doch auch mit zunehmender Sorge verfolgt. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 wurde ich häufig für Seminare zu diesem Thema angefragt. 2008 bot ich beim CHRISTIVAL ein Seminar mit dem Titel „Anbetung als Lebensstil“ an. Dass dieses Seminar letztlich mit 400 Teilnehmenden stattfinden würde, hätte ich nicht erwartet. Jedoch ist in den letzten Jahren das Interesse an Seminaren für den Bereich „Lobpreis und Anbetung“ sehr stark zurückgegangen. Häufig buchen Gemeinden jetzt einen Musikteamcoach, damit die Lobpreisband noch besser spielt, was ich auch sehr begrüße! Was „Worship“ ist, wissen scheinbar alle schon. Meine große Sorge und Beobachtung ist, dass häufig die Form übernommen, jedoch die Inhalte, die Theologie nicht mitgenommen wurde und damit der Sinn von Anbetung und Lobpreis immer mehr in Vergessenheit gerät bzw. neu definiert wird. Umso wichtiger war mir die Erstellung dieser Broschüre. Mein Wunsch ist, dass dadurch die inhaltliche und geistlich-theologische Auseinandersetzung mit diesem Thema intensiviert wird und das Verständnis neu wächst. Weil die Anbetung – in welcher Form auch immer – Herzstück unseres Glaubens ist und bleibt.

Hans-Joachim Eißler

EJW-Landesreferent, Kirchenmusiker, Chorleiter, Arrangeur

Meine Perspektive: Musik in Gottesdienst und Gemeinde, „Musik zu Gottes Ehre“ – das ist im Idealfall etwas sehr Verbindendes und Bereicherndes. Umso schmerzlicher empfinde ich es, wenn ich gerade in diesem kreativen, sensiblen und emotionalen Bereich immer wieder Situationen erlebe, die von Abgrenzung, Missverständnissen und gar Antipathie geprägt sind. Die Faustregel „Essen verbindet, Musik trennt“ bewahrheitet sich leider zu oft, weil zwischen den verschiedenen Ausdrucksformen von geistlicher Musik manchmal eben doch (gefühlte) Welten liegen. Deshalb ist es so wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben, einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Nur so können unnötige Missverständnisse vermieden werden. Und es kann sich ein fruchtbarer und inspirierender Austausch entwickeln, der eine segensreiche Ausstrahlung haben wird auf unser Musizieren. An dieser Broschüre gefällt mir gut, dass sie ein echter Beitrag sein kann zum gegenseitigen Verständnis und Gelegenheit bieten wird, bei manchen Themen etwas tiefer zu blicken und ins Gespräch zu kommen.

Matthias Mergenthaler

EJW-Landesreferent, Mitglied im Kirchengemeinderat und Lobpreisleiter

Meine Perspektive: Meine erste Begegnung mit Lobpreis hatte ich als Jugendlicher beim Kirchentag 1999 in Stuttgart. Der Besuch einer „PraiseNight“ hatte zur Folge, dass wir mit unserer Jugendband ab sofort nicht nur die eigenen Vortrags- Songs spielten, sondern auch Lobpreisabende gestalteten. Über die Jahre kamen unterschiedliche Lobpreis-Erfahrungen in Gemeinden und Netzwerken dazu. Lobpreis und Anbetung sind in meinem Leben quasi schon immer präsent – das Normale. Trotzdem bleibt die Anbetung Gottes weiter bedeutsam und faszinierend für mich: es kommt mir oft so vor, als ob ich erst einen ganz kleinen Teil von der Größe Gottes verstanden und erfahren habe und ich sehne mich danach, durch den Heiligen Geist tiefer in diese Gottesbeziehung hineinzukommen. In unserer Evang. Kirchengemeinde bin ich verantwortlich für den Lobpreis- Gottesdienst am Sonntagmorgen. Da braucht es natürlich die kritische Auseinandersetzung und einen theologisch sorgfältigen Umgang mit diesem Thema. Ich erlebe aber auch oft eine Distanz, die stärker biografisch als theologisch begründet ist und wünsche mir mehr Offenheit für diese Ausdrucksform des Glaubens, denn sie führt letztlich wieder zum Zentralen: der Gegenwart und Begegnung Gottes.

Michl Krimmer

Gemeindepfarrer und EJW-Landesreferent, leitet das Projekt Musikteamcoaching

Meine Perspektive: Als Verantwortlicher im Projekt „Musikteamcoaching“ merke ich: es hat sich viel getan an der Basis. Mehr als ein Drittel aller landeskirchlichen Gemeinden in Württemberg hat Lobpreis- oder Singteams, die mit neuen Liedern (oder liebevollen neuen Arrangements alter Lieder) das gottesdienstliche Singen begleiten und anleiten. Aber ich merke auch: da wird landauf-landab oftmals mehr kOpiert als kApiert. „Wir wollen klingen wie Hillsong!“, aber anderseits ein mehr oder weniger bewusstes: „Bitte erschüttert uns nicht in unserer Kultur. Wir wollen eigentlich gar nicht reflektieren, unsere eigene musikalische Sprache entwickeln.“ Als Gemeindepfarrer in einer umtriebigen, pietistisch-frommen Kirchengemeinde am Rande der Schwäbischen Alb merke ich: es gibt eine Sehnsucht nach persönlicher Gottesbegegnung durch und in der gottesdienstlichen Musik – nicht nur reden über Gott, sondern reden mit ihm. Viel mehr das „per Du mit Gott“, also Beziehungspflege, statt theologischer Richtigkeiten und deskriptiver Liedtexte werden da gefordert. Aber warum immer nur in Antithesen denken? Was uns in Fragen der Frömmigkeitsstile oft nicht gut bekommt, hilft uns auch für die ZUKUNFTSMUSIK nicht wirklich weiter. Wir brauchen eine neue Generation von Brückenbauerinnen ohne Berührungsängste, Anwälte eines neuen Miteinanders. Fitte und verbindende Kräfte an Tasten und Saiten vor Ort und in den Ausbildungsstätten sowie angstfreie Kirchenleitenden, die sie unterstützen und fördern.

IMPRESSUM

Dies wurde zusammengestellt von zwei Arbeitsbereichen des Evang. Jugendwerks in Württemberg: 

musikplus entwickelt Musikformate für die Jugendarbeit und ist zugleich die zuständige Fachstelle für Popularmusik innerhalb der Kirchenmusik der Evang. Landeskirche Württemberg. Der Fokus liegt dabei auf der Arbeit mit Pop- und Gospelchören sowie Bands und Musikteams.

Seminare – mit einem breiten Seminarangebot für Musiker/innen, Sänger/innen und Techniker/innen bietet musikplus Fortbildungen für Nebenamtliche und Ehrenamtliche bis zum D- und C-Niveau. Etwa 400 Personen nehmen jährlich diese Angebote wahr. 

Coaching – etwa 30 Coaches sind in Württemberg unterwegs, um Gemeinden vor Ort zu unterstützen. Die Inhalte reichen vom Bandcoaching über VocalCoaching und Tontechnik-Coaching bis zu Themen wie Lobpreisleitung, Teamdynamik und Zusammenspiel von unterschiedlichen Musikstilen. (www.musikteamcoaching.de 

Events – zu den großen Events des Jahres gehören zwei Chortage mit insgesamt etwa 1.500 Sängerinnen und Sängern, Konzerttouren (LAKI-PopChor, Go(o)d News) und die Beteiligung an großen Chormusicals wie Martin Luther King, LUTHER, Amazing Grace u.a. 

Perspektive entwickeln“ (Kirche als Lernende Gemeinschaft) gestaltet und begleitet Vernetzungs- und Veränderungsprozesse in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kontext der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Ziel ist die Weiterentwicklung und Vernetzung dieser vier Arbeitsfelder: Musikalische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Konfirmandenarbeit, (verbandliche) Jugendarbeit und die Arbeit im Bereich der Kinderkirche 

Lernende Gemeinschaften Veränderungsprozesse sind komplex und benötigen Zeit. Lernende Gemeinschaften (Learning Community) bieten den passenden Rahmen, um sie erfolgreich zu gestalten. Die teilnehmenden Organisationen, Gemeinden, Träger und Werke entwickeln dabei in einem strukturierten und begleiteten Prozess eigene Lösungsansätze. Der Prozess wird als geistlicher Prozess verstanden, mit Raum für das Hören auf Gott. Einzeln und auch gemeinsam entstehen in den Lernenden Gemeinschaften neue Visionen, kreative Ideen und konkrete Handlungspläne für die Umsetzung. Coaching unterstützt diese Umsetzung vor Ort kontinuierlich. 

Evangelisches Jugendwerk Württemberg

Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW)…
koordiniert, gestaltet und fördert die evangelische Jugendarbeit in Württemberg – ausgehend von der zentralen Landesstelle in Stuttgart-Vaihingen. Unser Ziel ist es, junge Menschen zum Glauben an Jesus Christus einzuladen, ihren Glauben im Alltag zu stärken und sie bei ihrem Engagement für Jugendarbeit und Gesellschaft zu unterstützen: Wir begegnen jungen Menschen in ihren Lebenswelten, begleiten sie im Glauben und befähigen sie, Verantwortung zu übernehmen. Dafür unterstützen wir zum einen Jugendwerke vor Ort sowie in den Bezirken. Zum anderen investieren wir direkt in Kinder, Konfirmanden, Jugendliche, Familien und (junge) Erwachsene über unsere sinnstiftenden Arbeitsbereiche, Veranstaltungen, Bildungsangebote und Reisen. 

Evang. Jugendwerk in Württemberg

musikplus – Popularmusik im EJW | www.musikplus.de

Perspektive entwickeln | www.perspektive-entwickeln.de
Haeberlinstr. 1-3

70563 Stuttgart
0711 9781-450

www.ejwue.de

Redaktionsteam: Ilse-Dore Seidel-Humburger, Hans-Joachim Eißler, Michl Krimmer, Matthias Mergenthaler 

Weitere Mitarbeit: Immanuel Mauz, Melanie Decker, Jana Hinderer 

Grafik: Heidi Frank, www.visualwerk.de